Schachabteilung SV Blau-Weiß Concordia Viersen

Turniere

Mülheimer Urlaubs-Open (5.-7. 8. 2011)

A 40

Als ich eine Woche vor Turnierbeginn meine Vorbereitungen begann, musste ich feststellen, dass die A40 genau an diesem Wochenende gesperrt wurde. Na super, beim ersten Mal habe ich mich 2 Stunden in Mülheim verfahren, einen Stadtplan gekauft, um dann festzustellen, dass ich eigentlich nur noch wenden musste um zum Spiellokal zu kommen.

Spiellokal

Als Spiellokal diente wie jedes Jahr das Vereinsheim vom SV Mülheim Nord. Wer es nicht weiß, Mülheim stellt eine erfolgreiche Bundesliga-Mannschaft mit u.a. dem Sieger unseres Schnellschachturnieres IM Daniel Hausrath.

Das Wetter war fürs Turnier perfekt, also bescheiden. Das hat den Vorteil, dass das Spiellokal nicht überhitzt.

Der eigentliche Gag des Turnieres ist aber, dass der Verein 12 digitale Bretter einsetzt, so dass man 12 Partien im Internet verfolgen kann. Ich finde diese Idee einfach grandios wenn da nicht das Problem wäre, dass man nicht gleichzeitig spielen und zu Hause zugucken kann, wie man selber spielt. Es soll aber Abteilungsleiter geben die nix besseres zu tun haben als am WE diese Partien zu verfolgen (siehe Bericht letztes Jahr). 

1. Runde

Mit knapp 25-minütiger Verzögerung begann die 1. Runde. Diese Partien konnte ich mir genüsslich zu Hause reinziehen, da wir ja am Freitagabend noch das Sommerfest hatten.

Ergebnis 0–0, ein voller Magen und um 2 morgens im Bett statt wie geplant um 23 Uhr.

Tag 1

2. Runde

7 Uhr aufstehen, schön machen (man könnte ja im Internet spielen), 8 Uhr losfahren wegen der Sperrung, dank gutem Orientierungssinn um 8.50 den Turnierleiter begrüßt und noch mal darauf hingewiesen, dass zu Hause Hunderte von Leuten auf meine Livespiele warteten.

Partie: Eva-Maria Titgemeyer (1421 Aachener SV) – Wolfgang Rothkugel

Die junge Dame blitzte die ersten Züge runter, dass mir schwante, entweder jugendliches Theoriemonster oder vorbereitet. Also, da ich mich eh nicht vorbereitet hatte, den erst besten krummen Zug gespielt und dann dem Treiben freien Lauf gegeben.

Es entwickelte sich eine Pirc-Ufimzev Verteidigung mit heterogenen Rochaden und verteilten Chancen. Als meine Gegnerin sich entschloss, energisch vorzugehen, konnte ich am gegnerischen Damenflügel ihre Königsstellung (lange Rochade) entscheidend schwächen und den Punkt relativ sicher einfahren.

3. Runde

WR – Mathias Vavro (1650 SV Mülheim Nord)

Auch vor dieser Partie schwante mir nicht gutes. Wieder ein Jugendlicher, diesmal vom Gastgeber, für gute Jugendarbeit bekannt.

Nach der Partie meinte mein Gegner, das wäre ja alles Theorie gewesen (Halbslawisch mit beiderseitigen Freibauern am Damenflügel), während ich dort schon nicht mehr weiter wusste.

Hinterher stellte sich heraus, dass wir einer Partie Kortschnoi–Lobron gefolgt waren, die Schwarz gewann. Er wich als erster ab und wurde in erstaunlich einfacher Weise am Königsflügel auseinandergenommen, während seine Figuren am Damenflügel noch am Kaffee trinken waren.

4. Runde

Moritz Rempe (1732 Aachener SV) – WR

Am Abend wartete dann der dritte Jugendliche auf mich. 3 Partien an einem Tag? Richtig gelesen, in Mülheim wird langsames Blitzen gespielt, wie es ein Teilnehmer ausdrückte. 60 Minuten für 30 Züge und 30 Minuten für den Rest.

1700 DWZ mit 12 Jahren sind allerdings alles andere als schlecht, und mir schwante wieder nichts gutes.

Im Internet war Blackout angesagt, d.h. ich war nicht in der Übertragung, und Blackouts gab es in der Partie selber auch. Nach einem ruhigen Eröffnungsgeplänkel entschied ich mich erst für ein Remisangebot und dann dafür, das Heft in die Hand zu nehmen. Wie früher üblich, Skandinavisch war ja mal meine Lieblingseröffnung, versuchte ich am Königsflügel aktiv zu werden, woraufhin mir mein Gegner völlig unbeindruckt einfach nen Klotz wegnahm. Aber nach dem Motto, je schlechter ich stehe desto gefährlicher bin ich, konnte ich ihn mit einem netten Trick Material wieder abnehmen, was zur Konstellation Turm + Bauer gegen 2 Springer seinerseits führte. Nach etlichen Wirrungen und Irrungen musste schließlich festgestellt werden, dass der kleine Zwerg einfach am Ende die bessere Übersicht hatte und verdient gewann.

Der zahlreiche Aachener Anhang wusste dies zu feiern, und ich war doch recht zufrieden, zumal Marcel Harff zwischendurch 2 Tore von Werder berichtete und das zum Sieg reichte.

Tag 2

Tag 2 fing super an, endlich mal kein Jugendlicher, sondern ein etwa Gleichstarker, von dem es allerdings nirgendswo Schwarzpartien zu finden gab. Aber keine Vorbereitung ist manchmal auch eine gute.

Runde 5

WR – Adam Walker (1746 Oberhausener SV)

Adam ist schon fast ein alter Bekannter und ich war einem Remis nicht abgeneigt, aber es sollte alles anders kommen.

Als Eröffnung wurde diesmal Reti/Englisch kredenzt, in der ich nach holprigem Beginn schnell eine Schwäche auf f7 ausmachen konnte. Während Schwarz noch versuchte seine Figuren zu koordinieren, peilte ich unauffällig den Punkt f7 an. Völlig verpeilte ich allerdings, dass mein Gegner im 14. Zug sich selber kreuzfesselte und ich einfach ne Figur gewinnen konnte.

Nach dem ich auf f7 korrekt die Stellung auseinanderopfern konnte, war die Partie auch so nach 17 Zügen zu Ende.

Puh, statt harte Arbeit schneller Sieg und 3/4.

Dann der absolute Höhepunkt des Turnieres.

Runde 6

David Beckmann (1926 TV Borken) – WR

Richtig, wieder ein Jugendlicher, diesmal schon 16 und mit starker DWZ.

Diesmal nicht an meinem Lieblingsbrett, sondern gegenüber, aber es sollte heiß werden, nicht nur weil die Sonne mal aus den Wolken kam. Der Küchenchef hatte Königsindisch aufs Menü gesetzt, was mir entgegenkam, da ich die ersten 12 Züge wie mein Gegner runterblitzen konnte. Wie bei KI klassisches System üblich, versuchte ich seinen Königsflügel zu stürmen, während er dasselbe auf meinem Damenflügel probierte.

Im Mittelspiel versuchte mein Gegner eine Kombination, die ich bereits erahnte hatte und zum kombinatorischen Gegenschlag ausholen ließ. Da ich besser gerechnet hatte, hatte ich Qualität und 2 Bauern mehr, worauf etliche Zuschauer sich in den Raum verirrten, um dem nun einsetzenden Treiben rund um Zeitnot und Endspurtphase beizuwohnen. Leider hatte ich einen Zwischenzug von ihm übersehen und so eine angegriffene Figur nicht weggezogen, sonst wäre die Partie zu Hause gewesen, aber es sollte anders kommen. Nach hart geführtem Kampf blieben am Ende nur noch Läufer + Bauer gegen Turm auf meiner Seite übrig, was beim besten Willen nicht mehr zu gewinnen war. Also leider nur Remis.

Runde 7

Nach praktisch nicht vorhandener Pause schnell auf die Auslosung geschaut und wieder ein Jugendlicher mit hoher DWZ, also wieder geärgert über den verschenkten Sieg. Als ich draußen am lamentieren war, kam aus der Ecke der Aachener Fankurve ein mitleidiges „Oh, der ist ziemlich ehrgeizig, der macht bestimmt kein Remis”, also noch mal die Motivation gesucht und fröhlich in den Kampf gezogen. Das Turnier war eh schon ein Erfolg, aber wie immer sollte es anders kommen.

WR – Chris Huckebrink (1793 SV Ahlen)

Als ich am Brett erschien, machte mein Gegner einen gelangweilten Eindruck und ich war noch fertig von meiner Partie vorher. Nach der Ansprache des Turnierleiters Klaus Beckmann, der das Turnier wie immer souverän und locker leitete (Danke an Klaus und Helfer!), spulte ich meine wenigen Theoriekenntnisse bis zum 5. Zug ab und bot Remis an, was von meinem Gegner zu meinem Erstaunen sofort akzeptiert wurde.

Fazit: 4/6 gegen Schnitt von 1712, einige gute Partien gespielt und ein schönes WE gehabt. Die ca. +27 DWZ nehm ich natürlich gerne mit.

Nachtisch

Wie bei früheren Berichten bereits üblich, noch ein kleiner kulinarischer Exkurs.

Am Samstag musste ich leider feststellen, dass die Dönerbude by Ibu geschlossen hatte. Dort kann man preiswert und gut essen. Stattdessen beim Haus des Sports eingekehrt, auch direkt am Spiellokal. Die Speisekarte sah gut aus, aber es sollte mal wieder anders kommen. Der Koch war gleichzeitig Kellner und mit 10 Gästen völlig überfordert. Es gab dann gefülltes Schnitzel mit verbrannten Bratkartoffeln und gefrorener Kräuterbutter, die nicht auftauen wollte. Diese Gaststätte ist nicht zu empfehlen, aber da es weder Advent war noch ich in Krefeld war, musste ich dadurch.

Der Blick des Kochs, als es kein Trinkgeld gab, entschädigte mich allerdings vollends für die entgangene Gaumenfreude.

Wolfgang Rothkugel

 

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Stand: 9. August 2011