Schachabteilung SV Blau-Weiß Concordia Viersen

Turniere

 

Deutsche Einzelmeisterschaft der Frauen 2015
in Bad Wiessee  –  ein tolles Erlebnis

Nachdem ich mich durch den NRW-Vize-Meistertitel im Oktober 2014 für die Deutsche Frauen-Einzel-Meisterschaft 2015 qualifiziert hatte, war es nun endlich soweit. Vom 05.02. bis zum 14.02.2015 fand diese im wunderschön verschneiten Bad Wiessee am Tegernsee statt. Gemeinsam mit der NRW-Meisterin Dorota Weclawski reiste ich mit dem Flieger von Düsseldorf nach München, dann mit dem Zug und dem Bus und einigem Umsteigen ging es weiter nach Bad Wiessee. Glücklicherweise hielt der Bus direkt vor dem Hotel, was uns die Schlepperei des Gepäckes sehr erleichterte. So waren wir bereits um 14 Uhr am Anreisetag im Hotel, konnten die Zimmer beziehen und uns dann die Gegend ansehen. Bad Wiessee, direkt am Ufer des Tegernsees gelegen, ist wirklich schön im tiefen Schnee anzusehen, wir fühlten uns von Beginn an sehr wohl und leichtes Urlaubsfeeling überkam uns beim Spaziergang am Ufer des Sees.

Spaziergang im Schnee am Tegernsee

Am Abend gab es ein gemeinsames Abendessen der Teilnehmerinnen, die bereits angereist waren. Eine schöne Gelegenheit, sich schon einmal zu „beschnuppern”, bevor es am kommenden Tag um 12 Uhr mittags mit dem Turnier losging.

1. Wettkampftag

In der ersten Runde spielen bekanntlich immer die „Guten” gegen die „Schlechten”, natürlich ist das bei der Deutschen Meisterschaft nicht anders. So kam es, dass ich an Platz 26 der Startliste – und damit letzte – gegen Platz 13 der Startliste spielen musste. Mit den weißen Steinen konnte ich die Partie lange offen halten. Was um mich herum passierte, bekam ich nur wenig mit, da ich sehr aufgeregt war und versuchte, mich voll auf mein Spiel zu konzentrieren. Irgendwann registrierte ich, dass nur noch das erste und letzte Brett spielten, was mich sehr verwunderte. Lange konnte ich mein Spiel offen halten, dann wurde es doch etwas brenzlig, meine Gegnerin, immerhin eine Fide-Meisterin, übersah (wie sie mir später sagte) einen fast sofortigen Gewinnzug. Anschließend machte sie einige Fehler und ich kam mit zwei Bauern in Vorteil. Ich musste mich aber noch eine ganze Weile quälen, irgendwann waren wir auch die einzigen Spielerinnen, die noch an ihrem Brett saßen. Kurz nach 17 Uhr hatte ich es dann endlich geschafft und meine Gegnerin reichte mir die Hand und gratulierte mir zum Sieg! Ich war völlig fertig, konnte es nicht fassen und war auch sehr durcheinander. Dass ich schon nach der ersten Runde eines meiner gesetzten Ziele erreicht hatte (einen Punkt im Turnier zu erzielen), war völlig überraschend für mich.

Anschließend versuchte ich, diesen Erfolg bei einem ausgiebigen Spaziergang zu realisieren.

2. Wettkampftag

Als „Dankeschön” für den überraschenden Sieg in Runde 1 durfte ich dann in Runde 2 gegen eine weibliche Großmeisterin spielen. Noch nie hatte ich eine so starke Gegnerin und freute mich auf diese Partie. Allerdings hatte ich auch ein wenig Angst davor, als erste in Runde 2 fertig zu sein. Ich hatte erneut die weißen Steine, hielt mich für meine Spielstärke ganz gut gegen diese „übermächtige” Gegnerin, verlor jedoch erwartungsgemäß – allerdings war meine Partie nicht die erste, die entschieden war. Dafür war die Analyse mit meiner Gegnerin nach Spielende umso lehrreicher. Das ist schon eine wahnsinnige Erfahrung, mit solchen Gegnerinnen die eigene Partie zu analysieren.

Das Schöne an diesem Tag war ein Treffen mit meiner Cousine und ihrer Familie, die aus München kamen, damit wir uns nach einigen Jahren einmal wieder treffen konnten. Es war ein wunderschöner Abend nach einer interessanten Partie am Nachmittag.

3. Wettkampftag

Der dritte Spieltag begann für mich mit einer großen Überraschung – es schneite. Ein wunderschöner Anblick aus meinem Hotelzimmer.

Bad Wiessee im Schnee

Noch eine Überraschung erwartete mich an diesem Tag. Im Internet gab es nach jeder Runde die Möglichkeit, über die beste Partie der Runde abzustimmen. Vor der 3. Runde wurden nun die beiden Siegerinnen dieser Abstimmung für Runde 1 und 2 geehrt. Tatsächlich hatte ich diese Abstimmung mit meiner überraschend siegreichen Partie der 1. Runde für mich entscheiden können und erhielt einen Buchpreis dafür. So ging der Spieltag gut für mich los.

In Runde 3 spielte ich gegen eine etwas „leichtere” Gegnerin. Ich durfte gegen die Siegerin der Offenen Deutschen Meisterschaft von 2014 spielen, immerhin eine Spielerin ohne Titel. In dieser Runde hatte ich erstmals Schwarz. Meine Gegnerin überraschte mich mit einer Theorie, die mir unbekannt war (was für eine Überraschung), ich hatte keine Ahnung, zog bereits in den ersten 10 Zügen mehrfach falsch und konnte einen Einschlag auf f7 nicht verhindern mit einer sehr ungünstigen Königsstellung. Ich versuchte noch einige Zeit, meine Stellung zu verbessern, mir gelang es jedoch nicht und ich ging mit Pauken und Trompeten unter.

Der Höhepunkt des Tages war der Besuch der Bayerischen Spielbank in Bad Wiessee, einer der vielen Punkte des Rahmenprogramms dieser Meisterschaft.

4. Wettkampftag

Nach zwei Niederlagen in Folge spielte ich erneut mit Schwarz gegen eine Gegnerin ohne Titel. Die Partie stand lange Zeit ausgeglichen, doch dann griff ich fehl und musste mich erneut geschlagen geben. Dieses Turnier verlangte mir zu diesem Zeitpunkt bereits sehr viel ab und war sehr kräftezehrend. Am Abend merkte ich, wie erschöpft ich bereits zu diesem Zeitpunkt war.

Am Abend gab es dann ein erneutes Highlight des Turniers – eine geführte Ortswanderung mit Glühwein-Zwischenstop und Fackelwanderung.

Fackelwanderung in Bad Wiessee

5. Wettkampftag

Nach dem schönen Abend fühlte ich mich an diesem Tag etwas besser. Ich musste heute gegen die mit 85 Jahren älteste Teilnehmerin des Turniers antreten. Nachdem die Partie normal losging – ich wieder mit Weiß – konnte ich eine positive Stellung erlangen, anschließend übersah meine Gegnerin, dass ich ihre Dame gegen Turm fangen konnte. Anschließend versuchte sie noch alles und ergab sich nicht in ihr Schicksal, jedoch war die Überlegenheit von Weiß ausreichend, um den zweiten Punkt zu erkämpfen – schon wieder musste ich mir ein neues Ziel setzen – ein durchaus erfreuliches Problem.

An diesem Abend gab es kein Rahmenprogramm. Wir gingen einfach, wie so oft vor und nach dem Abendbrot, im Schnee spazieren und saßen anschließend nett zusammen in der Bar des Hotels.

6. Wettkampftag

Erneut fühlte ich mich schlecht und ausgebrannt an diesem Tag. Dennoch sollte er mit einer erneuten überraschenden Ehrung für die beste Partie in Runde 5 für mich beginnen. Nachdem ich in der vorigen Runde gegen die älteste Teilnehmerin des Turniers spielte, saß mir heute die mit 71 Jahren zweitälteste Teilnehmerin gegenüber. Das Spiel war schnell beendet. Meine Gegnerin, die bisherige Remiskönigin, bot auch mir zügig remis an, nach kurzem Überlegen und in einer etwas besseren Position nahm ich das Angebot an. Der Hintergedanke hierbei war, den Nachmittag zum Regenerieren zu nutzen. Inzwischen hatte ich 2,5 Punkte auf meinem Haben-Konto und die Wahrscheinlichkeit, am Ende auf dem letzten Platz zu landen – auch dies wollte ich verhindern – war nicht mehr sehr groß.

Den Nachmittag nutzten meine Gegnerin und ich, um mit dem Bus einmal in den nächsten Ort zu fahren und ausgiebig zu wandern.

Blick auf den Tegernsee

Am Abend war heute wieder ein interessantes Rahmenprogramm. Wir besuchten eine Hütte zum Grillabend. Leider mussten wir sehr lange auf das Essen warten, die Bedienung war lausig und den meisten schmeckte das Essen nicht, auf den Nachtisch verzichteten wir dann ganz.

Der Hotelchef, der das gesamte Rahmenprogramm organisiert hatte, entschuldigte sich anschließend für den misslungenen Abend bei uns und spendierte einen Drink für jede.

7. Wettkampftag

Frisch gestärkt vom freien Nachmittag am Vortag fühlte ich mich heute viel besser und wirklich erholter. Also ging ich mit viel Elan in die Partie, heute hatte ich wieder die weißen Steine. Im Mittelteil hatte ich eine recht gute Stellung, vergeigte aber erneut, ließ mich einschnüren und machte dann einen schweren Fehler. So verlor ich erneut in dieser Runde – schade.

Das Highlight des Tages war das Festbankett am Abend mit 4-Gänge-Menü. Es stellte sich als eine echte Wiedergutmachung des misslungenen Essens am Vortag heraus. Überhaupt sei an der Stelle die Verpflegung im Hotel gelobt. Egal, ob Frühstück, Mittag, Kuchen oder Abendessen, die Auswahl war groß und es schmeckte lecker!!!

8. Wettkampftag und vorletzte Runde – Endspurt ist angesagt

Meine heutige Gegnerin – das bisherige Schlusslicht des Feldes – spielte (für mich nicht überraschend) f4, eine Eröffnung, die ich gar nicht mag. Ich versuchte, mich normal zu entwickeln, meine Gegnerin tauschte jedoch schnell ab, übersah dabei aber meinen gut entwickelten Springer, der gegen ihren unterentwickelten Läufer und die nicht gesicherte Königsstellung zu einem Gewinn von zwei Bauern führte. Im Spielverlauf machte ich mir hier und da mit Ungenauigkeiten zwar das Leben selbst noch schwer, führte aber die Partie zum Sieg – 3,5 Punkte nach 8 Spielen – Wahnsinn, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet! Mal schauen, was die letzte Runde bringt, vielleicht schaffe ich sogar 50 % ??? Das wär´s ja noch.

Am letzten Abend des Turniers gab es eine Cocktail-Vorführung mit Verkostung – lecker!!!

9. und damit letzter Wettkampftag

Ein langes und anstrengendes Turnier geht heute zu Ende. Ich hatte doch die Belastungen etwas unterschätzt. Es ist eben etwas anderes, wenn man ein Turnier verteilt über Wochen spielt oder am Stück. In den Jahren nach meinem Wiedereinstieg in den aktiven Turnierbetrieb hatte ich bisher fast nur Blitz- oder Schnellschachturniere gespielt. Das längste Turnier am Stück ging über 5 Runden, hier nun fast die doppelte Anzahl der Partien.

Mit der Auslosung hatte ich wieder Glück, ich spielte nun auch noch gegen eine Internationale Meisterin, zwar wenig Hoffnung auf einen Punkt, aber ein weiteres schönes Erlebnis. Für meine Gegnerin lief das Turnier nicht so gut, daher wollte sie unbedingt noch gegen mich gewinnen. Ich kam mit Weiß schlecht aus der Eröffnung und sie baute sofort Druck auf. Diesem konnte ich nicht auf Dauer standhalten und so war diese Partie relativ schnell zu meinen Ungunsten entschieden.

Siegerehrung

Direkt im Anschluss an die 9. Runde fand die Siegerehrung statt. Ich reiste danach noch am Nachmittag ab, um am Sonntag einen Ruhetag zu haben, denn am Montag war zwar Karneval, aber ich musste dennoch arbeiten. So kam ich noch vor Mitternacht zu Hause an und konnte völlig erschöpft im eigenen Bett schlafen, zu Hause ist es eben doch am Schönsten.

Insgesamt war es für mich ein tolles Turnier und ein Erlebnis, das ich nicht mehr missen möchte. Ich war zwar recht ausgelaugt, als ich nach dem Turnier endlich im Flieger nach Düsseldorf saß, aber ich nehme viele neue Erfahrungen mit. Zudem fand das Turnier in einer sehr eindrucksvollen Umgebung statt. Wir konnten täglich mehrfach die Umgebung erkunden, vom schönen Tegernsee bis zum Haus von Uli Hoeneß auf dem Berg.

Bei allen, die an der Organisation und Durchführung dieser Meisterschaft beteiligt waren, bedanke ich mich recht herzlich für dieses schöne Turnier, bei dem fast keine Wünsche offen blieben – für meine Leistung bin schließlich ich selber verantwortlich   – aber auch mit dieser bin ich hochzufrieden. Besonders toll fand ich, dass sich alle Gegnerinnen nach von mir verlorenen Partien bereit erklärten, mit mir diese Spiele zu analysieren. Danke an alle!!! Es war toll und ich komme gerne wieder.

Andrea Hähnel

Andrea Hähnel

Turnier-Homepage

 

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Stand: 19. März 2015