Schachabteilung SV Blau-Weiß Concordia Viersen

Turniere

 

NRW  –  Deutscher Frauen-Mannschaftsmeister der Landesverbände 2015

Siegerfoto
 
Nach dem Gewinn des Titels in der Sonne vor dem Spiellokal ... alle überglücklich

Erneut fand in diesem Jahr die Deutsche Frauen-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände im hessischen Braunfels statt. Auch zu dieser Meisterschaft fanden sich einige spielstarke Frauen aus NRW zusammen, um in diesem Vergleich der Verbände das Land NRW würdig zu vertreten – und ich wieder mit dabei. Insgesamt traten, wie auch im letzten Jahr, Mannschaften aus 12 Landesverbänden an.

Ein großes Dankeschön geht zuerst an die Schachfreunde aus Braunfels um ihren Vorsitzenden Sebastian Swoboda, die wieder einmal ein tolles Turnier organisiert und durchgeführt haben, sowie dem Schiedsrichter Wolfgang Fiedler, der das Turnier – ebenfalls zum wiederholten Male – souverän und unspektakulär leitete. Aber zu einem gelungenen Turnier gehören nicht nur die Offiziellen und verantwortlichen Organisatoren eines Turniers, sondern auch die Quartiereltern, die stets Interesse an unseren sportlichen Leistungen zeigten und sich gut um unser Wohlergehen sorgten. Auch ihnen gebührt Dank, denn sie kümmern sich schon seit vielen Jahren um die NRW-Mannschaft (für die ständig läutenden Glocken in der Kirche direkt nebenan können sie nun wirklich nichts).

In meiner Funktion als Frauenreferentin des Landesverbandes NRW möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Spielerinnen bedanken, die sich bereit erklärt haben, bei diesem Turnier den Schachbund NRW zu vertreten. Dies gilt nicht nur für diejenigen, die letztendlich mitspielen durften, sondern insbesondere auch für alle Schachspielerinnen, die sich darüber hinaus zur Verfügung gestellt haben und in diesem Jahr leider nicht dabei sein konnten. Ein großes Dankeschön gilt Wenke Henrichs, die erneut das Team, wie auch schon im letzten Jahr, während des Turniers gut führte und sich um alle Belange der Mannschaft gut gekümmert hat und sie offiziell vertreten hat. Ein ebenso großes Dankeschön gilt Dr. Catalina Hiebsch, die kurzfristig als erste Ersatzspielerin – nachdem sie im Vorfeld nicht in die Mannschaft berufen wurde – noch am Donnerstagabend anreiste, weil eine Spielerin unerwartet nicht kommen konnte und wir die erste Runde somit unvollständig antreten mussten.

Das Team NRW setzte sich aus fünf „erfahrenen” Spielerinnen aus dem Kader des letztjährigen Vizemeisters und drei „Neulingen” zusammen. Wir spielten ab der zweiten Runde in folgender Aufstellung: Mariana Plass, Olena Hess, Amina Sherif, Hannah Kuckling, Andrea Hähnel, Wenke Henrichs, Tanja Kraus und Dr. Catalina Hiebsch – eine taktisch etwas andere Variante als im letzten Jahr.

NRW 1.
 
Kreative Phase vor dem gemeinsamen Buffet, das Ziel immer fest im Blick: Die Nummer 1 im Land sind wir!

Doch nun zum Turnier:

Donnerstag, 1. Runde: NRW – Thüringen

Aus bereits erwähntem Grund ließen wir das erste Brett unbesetzt, aber auch Thüringen war mit einer Spielerin weniger angereist, sie mussten allerdings das gesamte Turnier mit nur 7 Spielerinnen bewältigen. So stand es von Beginn an 1 : 1. Mit 5,5 : 2,5 gewannen wir letztendlich erwartungsgemäß dieses Spiel.

Am Abend erwarteten wir dann noch unsere „Ersatzspielerin” und aßen in unserem Hotel gut zu Abend (wie auch mindestens noch vier weitere Mannschaften – tja, die gute Küche unseres Gasthotels ist bei allen Verbänden bekannt).

Freitag, 2. Runde vormittags: Bayern – NRW

Da wir heute komplett antreten konnten, hatten wir durch das Aufrutschen alle wieder die gleiche Farbe. Die Bayern traten mit vier Spielerinnen an, die auch bei der Deutschen Einzelmeisterschaft dabei waren, und hatten sicher eine leichte Favoritenrolle, da ihr Mannschaftsschnitt etwas höher lag. Aber da dies alles nichts zu sagen hat, wurden die Partien an allen Brettern ausgekämpft. Das Ergebnis wurde wie erwartet am Ende sehr knapp und zum Schluss machte Amina den Sieg für uns klar, nachdem ihre Gegnerin in Zeitnot ungenau spielte und Fehler einbaute. So wurde es am Ende ein 5 : 3 für uns und wir durften weiterhin am ersten Brett spielen.

Die 3. Runde fand ebenfalls am Freitag statt, die Spätrunde des Turniers:

Freitag, 3. Runde nachmittags: Hessen – NRW

Die Auswahl Hessens hatte auch in diesem Jahr wieder eine sehr starke Mannschaft aufgestellt, in ihren Reihen spielte unter anderem die Fünftplatzierte der Deutschen Frauen-Einzelmeisterschaft 2015. Von der Ausgangsspielstärke waren beide Mannschaften etwa gleich stark und so war es das erwartete hart umkämpfte Match, das leider mit 3 : 5 gegen uns endete. So verloren wir die Spitzenposition und Hessen war nunmehr alleiniger Tabellenführer des Turniers und erster Anwärter für den Meistertitel. Mit einer starken Leistung und bisher nur einem Remis und zwei Siegen setzte sich überraschend die junge Hamburger Mannschaft nach der 3. Runde auf den 2. Platz.

Vorletzte und 4. Runde am Samstag:

NRW – Schleswig-Holstein

Um unsere Titelchance zu wahren, mussten wir dieses Spiel gewinnen. Schleswig-Holstein war von der Papierform her auf jeden Fall zu schlagen, aber auch einer Favoritenrolle muss man erst einmal gerecht werden. Schließlich sind selbst die starken Badener (gegen Rheinland-Pfalz, allerdings ohne ihre beiden Spitzenbretter, die erst zur 2. bzw. zur 4. Runde anreisten), die Württemberger (gegen Mecklenburg-Vorpommern) und die Bayern (gegen Hamburg) in diesem Turnier bereits an vermeintlich schwächeren Gegnern gescheitert. Unsere Mannschaft jedoch konnte den erwarteten Sieg recht klar mit 6 : 2 einfahren.

In dieser Runde spielten Hamburg und Hessen am Spitzenbrett. Der Ausgang dieser Partie war für uns durchaus interessant. Völlig überraschend siegte die Hamburger Mannschaft recht klar mit 5,5 : 2,5. Jetzt war Hamburg mit 3 Siegen und einem Remis neuer Tabellenführer, vor NRW, Hessen und Sachsen mit jeweils einer Niederlage. Alle vier Mannschaften hatten somit noch die Chance, den Meistertitel zu erringen, nun kam es auf die Auslosung an. Während Hessen bereits gegen die anderen drei Mannschaften gespielt hatte, hatten die übrigen drei jeweils gegeneinander noch nicht gespielt. Wir waren alle sehr gespannt auf die Auslosung zur letzten und entscheidenden Runde am Sonntag.

Am Nachmittag nahmen wir mit der kompletten Mannschaft an der „lustigen Stadtführung” teil. So lernten wir auch den Ort mit seinen tollen Fachwerkhäusern ein wenig kennen, wirklich sehenswert. Am Abend gab es das traditionelle Buffet für alle Mannschaften mit anschließendem Blitzturnier. Auch das Buffet verpasste keine unserer Spielerinnen, während wir auf das abendliche Blitzen zu Gunsten der Vorbereitung auf die letzte Runde verzichteten.

Vor dem Buffet
 
Beim traditionellen „Länderabend”, wir warten auf das Buffet ... gleich beginnt ein anderer Kampf!

Letzter und entscheidender Spieltag:

Sonntag, 5. Runde: NRW – Hamburg

Die Losfee brachte uns in die glückliche Lage, gegen Hamburg um den Titel spielen zu dürfen. Sachsen musste gegen Schleswig-Holstein und Hessen gegen Thüringen ran. Ging man davon aus, dass Hessen und Sachsen ihre Partien gewinnen würden, ergab sich die Konstellation, dass Hamburg bei einem Sieg oder Remis den Meistertitel erringen würde und wir in diesen beiden Fällen aus den Medaillenrängen fallen würden. Bei einem Sieg von uns wären wir Meister und Hamburg würde das Turnier auf dem undankbaren 4. Platz beenden. Also hatten wir es in der eigenen Hand, mussten aber alles aufbieten, wollten wir gegen die bisher überraschend stark aufspielenden Hamburgerinnen gewinnen. Den Titel des Deutschen Meisters konnten bei dieser Auslosung nur noch Hamburg oder NRW erringen, da Sachsen und Hessen einen schlechteren Gegnerschnitt hatten – Spannung war also vorprogrammiert.

NRW gegen Hamburg
 
Das letzte Spiel gegen Hamburg; vorne Mariana gegen Jade Schmidt

Sachsen machte den Sieg recht schnell klar, während es für uns nicht gut aussah, lagen wir doch nach drei beendeten Spielen mit 1 : 2 hinten und mussten diesem Rückstand nun „hinterherlaufen”. Auch nach der vierten beendeten Partie hatten wir immer noch einen Punkt Rückstand. Aus den letzten vier Partien mussten wir also noch mindestens drei Punkte holen, um den Meistertitel zu erringen. An zwei Brettern sah es bald ganz gut für uns aus, an einem anderen nach einem Remis und an einem sehr undurchsichtig. Das undurchsichtige 2. Brett war am Ende dann das letzte Spiel für uns im Turnier, denn an den weiteren Brettern holten wir 2,5 Punkte. Nun lag alles an Olena. Sie musste beim Stand von 4 : 3 für uns mindestens ein Remis herausholen und sie legte alles in dieses Spiel, stand aber nach der Zeitkontrolle irgendwann mit einem Läufer und König gegen fünf Bauern und König. So hatten wir diese Partie eigentlich abgehakt und uns schon auf dem undankbaren 4. Platz gesehen.

Inzwischen stand es aber nicht gut um Hessen, sie drohten mit einer Niederlage oder einem Unentschieden aus den Medaillenrängen zu rutschen – na immerhin wäre das für uns doch noch der 3. Platz.

Dann aber geschah das kaum noch für möglich Gehaltene. Natürlich hatten wir, allen voran Wenke, die Hoffnung noch nicht aufgegeben und Olena zum Glück auch nicht. Sie erkämpfte tatsächlich noch ein Unentschieden. Wir waren Deutscher Meister!!!

Das war ein Herzschlagfinale!!! Zum Glück mit dem besseren Ende für uns!!!

Die Freude bei uns allen war riesig. Die Hamburgerinnen waren natürlich enttäuscht über den 3. Platz, Sachsen freute sich über den Vizemeister-Titel und Hessen erreichte tatsächlich nur ein Remis und rutschte noch auf den 4. Platz ab.

Bei der anschließenden Siegerehrung wurden neben den drei besten Mannschaften auch noch die besten Einzelspielerinnen geehrt. Mit Amina – bestes Ergebnis des Turniers mit 4,5 aus 5 an Brett 3 – wurde unsere jüngste Spielerin völlig zu Recht ausgezeichnet. Noch höher ist ihre phantastische Leistung zu werten, wenn man weiß, dass sie bereits ab Freitag mit einer Erkältung in die Partien ging. Hannah konnte ihre Superleistung vom letzten Jahr fast wiederholen, auch sie erreichte 4,5 aus 5 am 4. Brett und wurde ebenfalls als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Wirklich tolle Leistungen unserer beiden Nachwuchstalente, sie haben erneut das in sie gesetzte Vertrauen voll bestätigt. Weiter so!

FAZIT

Neben den bereits erwähnten tollen Leistungen unserer „alten Hasen” Amina und Hannah an den Brettern 3 und 4 sind ebenso die Leistungen unserer Mannschaftsneulinge Mariana an Brett 1, Olena an Brett 2 mit jeweils 3,5 aus 5 (tolle Leistungen bei starker Konkurrenz an den ersten Brettern) und Tanja mit 2,5 aus 5 an Brett 7 hervorzuheben. Alle haben sich gut in das „Grundgerüst” der letztjährigen Mannschaft eingefügt. Zur Vervollständigung möchte ich noch erwähnen, dass Wenke 3 aus 5 an Brett 6 und Catalina 2,5 aus 4 an Brett 8 holten. Fast jede unserer Spielerinnen holte entscheidende Punkte, als vielleicht Andere gerade nicht punkteten und hat somit zum Gelingen der Mission „Titelgewinn” ihren wertvollen Beitrag geleistet. Für mich lief das Turnier eher schlecht. In diesem Jahr konnte ich leider keinen Punkt holen und nur insofern der Mannschaft „helfen”, dass ich mich erneut weiter vorne aufstellen ließ, als es nach meiner DWZ/ELO zu erwarten war (ich war als 8. Spielerin für die Mannschaft nominiert worden). Aber auch ich konnte mich über den Sieg der Mannschaft freuen und bin stolz darauf, diesem Team erneut angehört zu haben.

Uns allen hat dieses Turnier wieder gut gefallen – auch wenn es bei den hohen Temperaturen teilweise sehr anstrengend war – und alle würden gerne im nächsten Jahr bei der Titelverteidigung wieder dabei sein. Nach der Siegerehrung gingen wir fast komplett noch einmal gemeinsam essen, bevor sich unsere Wege wieder trennten und alle die Heimreise antraten.

Auch in diesem Jahr ist die Mannschaft in sehr kurzer Zeit gut zusammengewachsen und der Teamgeist war deutlich zu spüren. Es hat uns viel Spaß gemacht – na klar, Siegen macht immer Spaß! Wir wollen den Titel im nächsten Jahr verteidigen und wären auch froh, wenn wir mit den möglichen zwei Mannschaften im kommenden Jahr antreten können und dürfen. Interessierte Spielerinnen können sich jederzeit bei mir melden.

Siegerfoto
 
Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Bericht und Fotos: Andrea Hähnel

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Stand: 21. Juni 2015