Schachabteilung SV Blau-Weiß Concordia Viersen

Turniere

 

Deutsche Frauen-Mannschafts-Meisterschaft der Landesverbände 2014

Silbermedaille für NRW !

 

Völlig überraschend durfte ich in diesem Jahr in der NRW-Frauen-Mannschaft bei der Deutschen Frauen-Mannschafts-Meisterschaft in Braunfels mitspielen. Dies hatte ich sicherlich – und dies muss deutlich gesagt werden – der schlechten Organisation durch den Schachbund NRW im Vorfeld dieser Meisterschaft zu verdanken.

NRW ging als Titelverteidiger in dieses Turnier, war jedoch nicht favorisiert, da viele potentielle Spielerinnen aus NRW abgesagt hatten. Aus dem Siegerteam des Vorjahres waren nur zwei Spielerinnen in diesem Jahr dabei.

1. Tag

Nachdem alle acht Spielerinnen (wir reisten ohne Ersatzspielerinnen an) der Mannschaft im Hotel angekommen waren, setzten sich einige Spielerinnen nach kurzem Kennenlernen zusammen, um die Mannschaftsführerin zu wählen und anschließend die taktische Marschroute festzulegen. Da zwei Spielerinnen etwas (bzw. auch etwas mehr) aus dem Leistungsrahmen der restlichen Mannschaft fielen, hat sich unsere Mannschaftsführerin, Wenke Henrichs, die bereits zum dritten Mal dabei war, mit unserer vorherigen Zustimmung dazu entschlossen, nicht nach Leistung aufzustellen, sondern taktisch zu spielen. Wir hatten ihr vor der Mannschaftsführerbesprechung mit auf den Weg gegeben, dass wir, wenn wir uns „opfern”, eine Medaille mit nach Hause nehmen wollen. So landete ich am 3. Brett, leistungsgerecht hätte ich ganz hinten spielen müssen. Auch das 2. Brett wurde mit einer sogenannten „Zwischenstopperin”, Dr. Catalina Hiebsch nicht in der Reihenfolge der Leistung aufgestellt. Am ersten Brett spielte hingegen unsere beste Spielerin, Oksana Vovk (sie war eigens für dieses Turnier aus Dänemark angereist). Ab Brett 4 war es dann wieder eine „normale” Reihenfolge mit Wenke Henrichs, Hannah Kuckling, Elena Sokalskaja, Amina Sherif und Dorota Weclawski. Nicht alle Spielerinnen waren von Beginn an überzeugt, dass dies die Aufstellung sein würde, die uns eine reale Chance auf einen Medaillenplatz sichern sollte. Der Plan war bei dieser Aufstellung, dass die Punkte an den Brettern 1 und 4 bis 8 geholt werden sollten. So erhofften wir uns als Nummer 6 der Startliste, in die Medaillenplätze vorstoßen zu können. Insgesamt waren 12 Mannschaften am Start.

Am Anreisetag fand dann auch die erste Runde am Nachmittag statt. Wir spielten gegen Mecklenburg-Vorpommern, den 12. der Startliste und konnten dieses Spiel mit 7½ : ½ souverän für uns entscheiden – Tabellenspitze nach der ersten Runde. Auch ich konnte – wenn auch mit etwas Mühe – einen Sieg gegen mein früheres Bundesland einfahren und zum guten Mannschaftsergebnis beitragen.

2. Tag

Schon in der 2. Runde trafen wir in am nächsten Vormittag auf Sachsen. Als Dritter der Startliste gehörten sie zum engeren Favoritenkreis. In einem langen Kampf an einigen Brettern konnten wir auch diesen Mannschaftskampf am Ende recht eindeutig mit 5½ : 2½ für uns entscheiden. Hervorzuheben ist, dass unser 2. Brett überraschend einen Punkt erkämpfte (ich hielt zwar lange Zeit gegen ELO 2220 gut mit, das bessere Ende hatte jedoch meine Gegnerin). Mit diesem Sieg fanden wir uns auch nach Runde 2 an der Tabellenspitze wieder.

Die 3. Runde fand am Nachmittag statt. Nun mussten wir gegen den Turnierfavoriten Baden antreten (hier spielte die mehrfache Deutsche Meisterin Elisabeth Pähtz am ersten Brett – und zwar in diesem Jahr das gesamte Turnier, auch der Papa war mit dabei und hat sicher geholfen, die Spielerinnen vorzubereiten). Fast erwartungsgemäß verloren wir klar mit 2½ : 5½. Aber auch in diesem Spiel waren wir nicht chancenlos und hätten mit ein wenig Glück auch ein besseres Ergebnis erzielen können. Ich hatte die Chance, hier für eine Überraschung zu sorgen, konnte jedoch meinen Angriff nicht zum Ende bringen. Nun hatte uns Baden von der Spitze verdrängt.

3. Tag

4. Runde am dritten Tag, unser Gegner hieß Hamburg, die sich durch Siege über Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen in die Spitzengruppe „gemogelt” hatten. Wie auch gegen Sachsen ging in diesem Spiel unsere Taktik auf und die Bretter 4 bis 7 punkteten, dazu wurde ganz vorne und ganz hinten remisiert. Am Ende stand ein recht klares 5 : 3 für uns im Spielbericht. Ich spielte heute irgendwie richtig schlecht und hatte nicht den Hauch einer Chance. Vor der morgigen letzten Runde standen wir somit auf Tabellenplatz 2, punktgleich mit Württemberg. In Lauerposition auf den weiteren Rängen folgten Bayern, Sachsen und Hessen.

An diesem Nachmittag gab es kein weiteres Spiel sondern Rahmenprogramm – erst eine Schlossführung, die etwas holprig begann, dann aber doch noch schön war, später ein gemeinsames Buffet aller Mannschaften, anschließend „Rudelgucken” des Deutschlandspieles bei der Fußball-WM – und, wen Fußball nicht so interessierte, der konnte noch ein Blitzturnier spielen.

Da unsere Ausgangslage sehr gut war, wir aber mindestens ein Remis, besser natürlich einen Sieg in der letzten Runde gegen Württemberg brauchten, um in den Medaillenrängen zu bleiben, waren wir sehr diszipliniert und gingen in der Halbzeitpause ins Hotel, um uns auf das entscheidende Match vorzubereiten. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle, die sich hier um Catalina und mich gekümmert haben und uns geholfen haben, dass auch wir gestärkt und gut vorbereitet in diese letzte Runde gehen konnten.

4. Tag

Die 5. und entscheidende Runde hatte es in sich. Bayern musste gegen Baden ran, fast konnte man von einem Sieg Badens ausgehen, aber man weiß ja nie ... Sachsen musste sich mit Hessen auseinandersetzen. Bis zum Ende blieb es richtig spannend. Die erste Entscheidung lieferte Baden, die sich am Ende deutlich mit 5½ : 2½ durchsetzten und somit mit 10 : 0 Mannschaftspunkten ihrer Favoritenrolle gerecht wurden – Meisterleistung !

Wir lagen irgendwann, nach einer großen Schrecksekunde 2 : 4 hinten. Was war passiert? An drei Brettern wurde noch gespielt, zwei sahen gut für uns aus, das dritte nicht so ganz, aber noch nicht verloren, doch da hielt plötzlich eine Gegnerin die Uhr an – gewonnene Stellung wegen Zeitüberschreitung verloren – oh nein ... zum Heulen! Zu unserem Glück stand auch Sachsen zu diesem Zeitpunkt nicht auf Sieg, so dass wir selbst bei Verlust der Runde noch den 3. Platz sicher hätten.

Noch spielten aber unsere beiden jüngsten Spielerinnen, Amina (15) und Hannah (17). Und beide kämpften bis zum bitteren Ende. Sicher keine ganz leichte Situation für die beiden, beide mussten gewinnen, damit wir noch Silber holten. Sie spielten toll, nach außen ganz ruhig, auch mit nur noch wenig Zeit auf der Uhr (aber glücklicherweise war die Zeit bei beiden Gegnerinnen auch nicht besser) – bewundernswert! In dieser Phase bekam ich wirklich eine „Gänsehaut”. Es war nervenaufreibend – ein guter Krimi ist nichts dagegen.

Zuerst drehte Hannah ihr Spiel (ich muss zugeben, ich bin während des Turniers großer Hannah-Fan geworden) und gewann wirklich schön. So eine Übersicht in dem Alter – TOLL !

Nun also hatte Amina es in der Hand. Wir lagen 3 : 4 hinten, gewann Amina waren wir Vize-Meister.

UND WIE SIE GEWANN !!!

Nicht weniger schön als Hannah (soweit ich das beurteilen kann). Mit einer Ruhe auf ihre Chance wartend, dann gnadenlos zuschlagend – ebenso TOLL !

UND WIR WAREN VIZE-MEISTER !

Und nun stürmten alle auf Amina ein, schön still, denn Sachsen spielte noch, aber das war für unser Ergebnis nun nicht mehr wichtig! Unsere Freude war unbeschreiblich (zumindest meine) und einige konnten nicht fassen, was passiert war. Wenke hatte es die ganze Zeit gesagt: Wir schaffen das! Und nun hatten wir es geschafft! Das schier Unmögliche war erreicht. Deutscher Vize-Meister 2014 – puh! War das ein Turnier!

Ein GROSSES Kompliment an der Stelle an Wenke, die genau die richtige Aufstellung gewählt hatte, die dieses super Ergebnis möglich machte – sehr mutig!

Auch wichtig zu erwähnen, dass sowohl Wenke als auch Hannah (neben zwei Spielerinnen aus Bayern) alle Spiele gewonnen hatten. Eine wahnsinnige Leistung!

Fazit

Es war eine tolle Erfahrung, die für mich wahrscheinlich einmalig bleiben wird. Es war anstrengend und schön. Der Erfolg am Ende war natürlich das Allerschönste daran. Ich hatte nicht viele Punkte geholt, die Verantwortung hatten die Anderen und sind dieser gerecht geworden. Die Mannschaft hat sich gut zusammengefunden und miteinander und füreinander gekämpft. Wir wünschen uns allerdings alle für die Zukunft, dass die Organisation im Vorfeld so läuft, dass eine ausgeglichene Mannschaft mit realen Titelchancen am Turnier teilnimmt – denn gewinnen ist ja noch schöner als Zweiter zu werden!

Auch waren wir eine der wenigen Mannschaften, die ohne Ersatz und ohne Betreuer / Trainer angereist waren (selbst Mecklenburg-Vorpommern hatte das besser hinbekommen). Es wäre gut, wenn das Interesse des Schachbundes NRW am Frauenschach nach diesem unerwarteten Erfolg steigt und Worten auch Taten folgten.

Frauen und Mädels ... es war mir eine große Ehre, mit euch spielen zu dürfen – DANKE !

Eure Andrea

 

Mannschaftsfoto

 

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Stand: 29. Juni 2014